Dienstag, Februar 26, 2008

Jaisalmer - die goldene Sandburg


Eigentlich wollte ich ja nach Bikaner, bin aber einer spontanen Eingebung gefolgt und nach Jaisalmer gefahren. Die Far-out-Wuestenstadt hat 55.000 Einwohner, die zum groessten Teil vom Tourismus leben. Die Stadt ist nicht nur fuer Ihr 'Golden Fort' bekannt, sondern auch Hauptanlaufstelle fuer Desert-Safaris. Entsprechend gross ist das Angebot und entstprechend stark der Druck, sich doch auf ein Kamel setzen zu lassen. Als einer der wenigen Westler hier hab ich das aber sein lassen und lieber Fort, Stadt und Umgebung erkundet. Und nach 1-2 Tagen kannten die mich eh alle Kameltreiber, also kam da auch gar kein Stress auf.
Einfach mal gemeinsam nen Chai trinken - no problem.
Hab hier sehr liebe Inder (und Inderinnen!) verschiedenen Alters kennengelernt und die Stadt wird wohl feste Station auf zukuenftigen Reisen.
Aus 2 veranschlagten Tagen wurden gleich mal 5, davon eine Nacht im Wuestendorf Khuri (Obdach und 3 Mahlzeiten - 1 EUR \ Tag), wo sich dann auch Sahara-artige Duenenlandschaften finden. Die Ruhe und der Sternenhimmel da draussen warn die einstuendige Busfahrt da raus mehr als wert - und mit 20 Mann aufm Busdach zu fahren war eh prima.

Eine neue, begeisternde Erfahrung hier sind sind die janistischen Tempel hier in der Ecke.
Die Jains (0,4% der Gesamtbevoelkerung) kennt man evtl. als die absolute "no-violence"-Religion (kein Fleisch essen, keine Kaefer zertreten)druecken Ihre Demut vor der Goettlichkeit in besonders detail-aufwendigem Tempelbau aus.
Im Fort selbst stehen 7, miteinander verbundene, kleinere Jain-Tempel, und auch etwas ausserhalb der Stadt steht ein mittlerer Tempelkomplex - aus dem selben, goldenen Sandstein gehauen und ergreifend schoen...
Das als Ueberleitung! Bin jetzt gerade in Ahmedabad, einer 5-Mio.-Stadt die keiner kennt
(wohl aus gutem Grund), meinem Gateway nach Sued-Gujarat, dem Holy Home of Jainism.

Freitag, Februar 22, 2008

Blue City (without) Blues


Nach Jaipur, der "pink city", war die "blaue Stadt" Jodhpur die naechste bunte Station Rajasthans. Die Haeuser der Altstadt sind 50-90% blau gestrichen, daher der Name. Das geht zurueck auf alte Tradition der Brahmanenkaste und ist inzwischen sehr populaer hier. Inmitten der Old City ragt aus dem nichts die ehrfuchteinfloessend maechtige, nie eingenommene Festung Meherangarh in den Himmel, von der ich auch dies Bild gemacht hab.
Eine unglaubliche Aussicht.
Sonst halten sich die monumentalen Attraktionen eher in Grenzen (bis auf einen voellig ueberdimensionerten, neuzeitlichen Palast, entstanden in einer der wohl groessten ABM-Massnahmen aller Zeiten), aber das Gassengewirr der Altstadt hat so einiges an Eindruecken und Erlebnissen zu bieten.
Die Leute hier sind ebenfalls sehr freundlich und entspannt, kaum was zu merken vom vielberichteten "Hassle" der Haendler, Rikshaw-Fahrer etc.
Durch einen ausgelaufenen Kuli, einen blaugezwickten Fingernagel und ein abfaerbendes Billig-Shirt war ich zwischenzeitlich aehnlich blau gefaerbt...
Vielleicht ein Vorgeschmack auf Holi, das Farbenfestival im Maerz.
Bin mittlerweile in der Wuestenstadt Jaisalmer, der "Goldenen Stadt" (hmei is des ois bunt do herunt) und melde mich bald mit dem naechsten Resumee.
So long
Andi

Montag, Februar 18, 2008

Orccha - a hidden palace

Nach all den Stadterlebnissen war's hoechste Zeit, hinaus aufs Land zu kommen und etwas zu entschleunigen. Das 8000-Einwohner-Dorf Orccha (sprich Ork-scha) ist dafuer wie geschaffen.
Von Touristen (noch) verschont - hier treiben sich nur ca. 20 Westler herum - das Hotel direkt neben einem Bauernhof, lauter entspannte und herzliche Menschen. Den Gedanken, von hier weiter nach Khajuraho zu fahren, hab ich schnell ad acta gelegt. Besser wirds auch nicht mehr fuer mich: Das Dorf liegt mitten im Dschungel und ist eine riesige Ruinenlandschaft. Viele der Tempel und Mausoleen aus dem 16. Jhdt. hier wurden zerstoert, aber nie aufgeraeumt. Das Dutzend Gebaeude, das noch steht, laedt zum erkunden und drin herumklettern ein. So kann man sich zB bei dem einen das Kellergewoelbe mit einer Fackel vortasten, beim anderen aufs Dach klettern und von dort aus den Sonnenuntergang geniessen. Alles in allem ist das hier eine Art Forum Romanum auf mehreren Quadratkilometern, um das sich quasi niemand kuemmert.
Neben prima Wanderungen kann man auch im blitzsauberen Fluss Bethwa schwimmen gehn oder einfach den ganzen Tag mit den Leuten hier quatschen. Besonders erwaehnt sei der "swiss baba", ein liebenswerter Schweizer um die 60, der seit 1981 in Suedasien unterwegs ist und fast zu jedem Ort in Indien einen Erfahrungsbericht zu bieten hat.
5 Tage war ich hier, und 2-3 Wochen kann man's bestimmt aushalten. Oder man laesst sich heir einfach fuer 3000 EUR ein Haus bauen, geht auch.
Jedenfalls hab ich jeden Tag intensiv genossen und hoffe, eines Tages wiederzukommen.

Momentan bin ich wieder in Delhi, wieder mitten im durchgeknallten Main Bazar, in Paharganj.
Doch Delhi sucht mich zu versoehnen. Den Tag hier mim Felix (huhuuu!) werd ich noch lange in bester Erinnerung behalten - danke nochmal, mein Freund.
Und gestern laeuft mir mitten im Chaos von Paharganj Jeremy, mein Franzose aus Agra, vor die Nase. Tja, you always meet twice in India. Also hab ich den Tag noch mit ihm verbracht (Delhi per Metro (!-effizient und sauberer als bei uns!) und zu Fuss erkunden ist mal was anderes.

Heute abend geht's per Overnight-Sleeper nach Jodhpur, in die "blaue Stadt".
Von da melde ich mich dann wieder.

Viele Gruesse
Denk an Euch

Sonntag, Februar 10, 2008

Can't taj this


Gleich vorweg: Ja, es ist das schoenste Bauwerk der Welt.
"Eine Traene auf der Wange der Zeit" oder auch "The imbodiment of all things pure" sind recht treffend.
Der Moment, in dem man es zum ersten Mal sieht, hat schon was besonderes. Bei mir wars in finsterer Nacht vom Hoteldach, vom Taj nur die Silhouette zu sehen - und doch unvergleichlich eindrucksvoll. Habe mich mit nem prima Franzosen zusammengetan und mit ihm dann am naechsten Morgen den Sonnenaufgang innerhalb der Riesenanlage (frierend) genossen - und natuerlich 1000 Fotos gemacht.
Naja, wenn 20.000 Leute 20 Jahre an einer Baustelle arbeiten kommt halt doch einiges dabei heraus. Allerdings verfaerbt sich das Taj Mahal zusehends Richtung gelb, trotz Umweltzone (die einzige in Indien) drumrum...
Agra ist gar nicht so "agro" wie man immer hoert, fand ich zumindest, aber ich komm mit den Indern auch wirklich super klar.
Die uebrige Stadt ist eher unspektakulaer, das Fort allerdings echt maechtig.
Fatepur Sikhri, die Geisterstadt 40 km ausserhalb hab ich ausgelassen und bin dafuer weiter nach Orccha, 300 km suedlich (diesmal wieder per Bahn fuer EUR 2,--).
Stay tuned!

Donnerstag, Februar 07, 2008

Think pink



Jetzt bin ich wirklich angekommen!

Jaipur, Hauptstadt und Gateway Rajasthans, ist Indien pur. Die qurlig-chaotische 2,5 Mio.-Stadt laeuft unter "sightsee till you can't see and shop till you drop". Das shoppen (Textilien, Schmucksteine und allerlei Kunsthandwerk) ueberlass ich lieber den "echten" Touristen, die hier Busseweise rangekarrt werden - aber beim Sightseeing bin ich dabei :)

Ob City Palace, Lake Palace, Amber Fort, Tiger Fort, Jaigarh Fort, Royal Gaitor, Jantar Mantar, Temple of the sun god, Govind Devji Temple usw usw oder mal die komplette Altstadt, die komplett in pink/orange gehalten ist und von 7 maechtigen Toren umgeben ist - Jaipur hat fuer jeden was. Elefanten, Kamele, Pferde, Kuehe, Hunde, Katzen und jede Menge Affen, prima scharfes Essen, Chai an jeder Ecke, Sonnenuntergang vom Monkey-Temple oberhalb der Stadt - Hier koennt ich laenger bleiben!

Auf dem Bild das Wahrzeichen der Stadt, Hawa Mahal, der "Palast der Winde". Ein Schelm, wer boeses dabei denkt...

Bin wohlig reizueberflutet und hab dank liebenswerter Guides auch die energiegeladene Atmosphaere der Stadt tief einatmen duerfen. Jaipur gehoert zu den faszinierendsten Staedten die ich kenne und ist in jedem Fall eine Reise wert.

Morgen geht's per Bus (! - ist aber Autobahn) nach Agra (300 km fuer EUR 3,-), bin mal gespannt ob mich das Taj touched.

Denke an Euch, schicke Gruesse

Andi (bedeutet in Hindi uebrigens "kaltes Wasser"... hmm.)

Dienstag, Februar 05, 2008

Nachtrag zum Smog...

Tag 2

Strassenszene aus der Naehe von Paharganj
Nein, das ist kein Nebel.
Und alles kann man auch nicht auf die Kuehe schieben.
Hier leistet jeder so seinen Beitrag, dass auf den Strassen
die Sichtweite teils unter 200m sinkt.



Good News am Rande:
Nachdem es zuerst hiess, Bananen-saison sei
erst ab April, scheint es nun doch welche zu geben.
Mangos hab ich allerdings noch keine gesehen...

Sonst trink ich natuerlich Chai was reingeht und goenne mir
das gute Butter-chicken (sprich: Battah-tschikkn) , sonst
fast nur Veg-Food.

Ernaehrungsplan also gesichert.

Montag, Februar 04, 2008

Delhi is different

Tag 1
Bin gesund und munter in good ol' Delhi angekommen.
Der Flug war ok, die Zwischenlandung in Doha unspektakulaer, ich reichlich uebermuedet.
Wenn man dann im Indira Ghandi aussteigt weiss man allerdings schnell, warum der unter den Top 5 der schlimmsten Flughaefen der Welt rangiert.
Die in Medien so energisch kritisierte Tatsache, dass man hier Klopapier separat vom Toilettenbesuch erwerben muss verblasst nicht nur vor dem Baustellencharakter eines Flughafens, in dem seit Jahren nichts repariert wird (offene Stromkabel haengen in der Gateway herunter, die Deckentaefelung fehlt zur Haelfte usw usw), auch nicht vor der Beamtenwillkuer ("sorry, tea time") oder dem Organisationsdefizit (2,5h in der Schlange bei der Immigration, in der Zwischenzeit werden die Koffer vom Laufband genommen und oesterlich versteckt) sondern all das verblasst vor einem:
Dem Smog in dieser Stadt, der alles durchdringt.
Man steigt aus dem Flieger und es riecht wie nach einem noch schwelenden Waldbrand. Die Augen traenen, atmen macht deutlich weniger Spass und man fragt sich die ganze Zeit, ob der ganze Rauch (!) hier da drin nicht doch von einem bedrohlichen Feuer stammen muss, dass jeden Moment alles verschlingen koennte...

Mit dem prepaid-Taxi dann nach Paharganj, zum alten Bazar, wo die Luft noch mieser ist, das Hotel Baustelle, auf 3 Etagen alle Toiletten defekt (was natuerlich nicht bedeutet, dass die nicht mehr benutzt werden), dann sanftes Einschlummern im Rhythmus der Vorschlaghaemmer.
Ich fuehle mich schon wieder voll akklimatisiert :)

Also kann es nur heissen: Raus raus raus aus Delhi.
Morgen gehts per Zug nach Jaipur.

Namaste!